„Leuchte du uns voran“ durch den Advents-Marathon

Susanne Borée
Susanne Borée

Der Paketbote grinste schon, als ich ihm „die Tore weit“ machte: Das dritte Mal innerhalb weniger  Tage brachte er ein Mini-Päckchen: Stellen wir uns nur einen Augenblick lang vor: Er hätte eine Krippe in Einzelteilen gebracht. Vielleicht wäre das Jesuskind zwischendurch gestrandet? Oder Maria nicht zum Stall gelangt?

Die Realität war natürlich viel weniger spektakulär: Bestellt hatte ich ein Set an Küchen-Utensilien mit Pfannenwendern und Servierlöffeln. Und zwar zusammen in einem Vorgang – sie stammen sogar von demselben Hersteller. Im dritten Päckchen fand auch der vierte Schaumlöffel den Weg zu mir.  

Denn sie kamen aus ganz verschiedenen Lagern – so der Versandhandel auf Anfrage. Die Liedzeile „Wie soll ich dich empfangen?“ bekommt da eine ganz neue Bedeutung. Meinethalben sind die Einzelpakete sinnvoll für den Versandhandel. So entlasten sie die Logistik zwischen den oft verstreut liegenden Lagerhallen. Aber ist ein solcher Versand verbraucherfreundich?

Sehnsuchtsvoll denke ich an den Heiland, der offenbar zugleich „Heil und Leben mit sich bringt“. Zumindest steigt die soziale Verbindung zwischen Nachbarn durch einen solchen Einzelversand. Da lohnt es sich, abends beim anderen zu klingeln – und ihn bei dieser Gelegenheit mit einer Auswahl „von den Plätzchen, die wir lieben“ aus der Weihnachtsbäckerei zu versorgen.

Ist auch die Nachbarin mal nicht da, dann hilft nur der Gang zur Lotto-Annahmestelle vor Ort. Neben diesem Hauptgeschäft versorgt sie das Viertel mit Zigaretten – und verteilt die nicht angenommenen Päckchen.

„O wohl dem Land, o wohl der Stadt“, die die letzten Neuerungen aus der Endlosschleife mit Werbefilmchen über die Rauchwaren nicht mehr nötig hat. „Wie Weihrauch steige mein Gebet“ des Dankes, dass die angepriesenen Gerüche nie in die Realität aufsteigen werden. Das Mango-Zimt-Gemisch aus der E-Zigarette soll bloß nicht „bei allen kehren ein“.

Bevor „die Nacht vorgedrungen“ war, erhielt ich sogar mein Paket. Diesmal war es ein Adventskalender von den Verwandten, da ja bei mir im Ort ein entsprechender Notstand ausbrechen könnte.

„Seht, die gute Zeit ist nahe“, der Bethlehem-Marathon nicht nur im Internet absolviert. „Ich komme, bring und schenke Dir“ am besten gar nichts. Warum fällt es uns so schwer, die Kreisläufe des Gabenaustausches zu verlassen? Schließlich wollen wir das wiedergeben, was wir erhalten haben.

Vor allem hört man das Ende der Adventszeit. Dann breitet sich Stille aus. Bald kann ich auch wieder bei mir vor Ort einkaufen ohne Weihnachtsgedudel in den Einkaufszentren. Das lief dort schon gefühlt, als ich noch die letzten Wochenenden am Badesee plante.  Aber vielleicht ist dies bald das gesamte Jahr über möglich, wenn es durch den Klimawandel geschieht, dass „vom Himmel hoch“ immer mehr Wärme herkommt?

Doch das schadet der Häuslichkeit. Denn dort am Badesee will ich gar nicht so fein kochen – und brauch meine so mühsam erlangten Pfannenwender und Schaumlöffel gar nicht mehr. Schade, dass diese Entwicklung wohl noch so lange dauern wird, dass dann die Frist für den Rückversand meiner Küchenutensilien verstrichen ist.

„... und was uns froh gemacht, teilen wir aus / Stern über Bethlehem schein auch zu Haus“ – aber bitte nicht als Einzelsendung.

                      Susanne Borée, Redakteurin und Chefin vom Dienst