Gott den Weg bereiten

Brücke
Foto: Bek-Baier

Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir nun tun? Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer Speise hat, tue ebenso. Es kamen aber auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen denn wir tun? Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als euch vorgeschrieben ist! Da fragten ihn auch Soldaten und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemandem Gewalt noch Unrecht und lasst euch genügen an eurem Sold! Und mit vielem andern mehr ermahnte er das Volk und predigte ihm.

                             aus Lukas 3, 3–6, 10–14 und 18

Es ist kaum zu glauben, in etwas mehr als einer Woche ist Weihnachten. Dabei ist noch so viel zu tun: Eigentlich sollte noch einmal gründlich geputzt werden, bevor der Christbaum aufgestellt wird. Und dann fehlen immer noch einige Geschenke. Außerdem würde ein Besuch meinem kranken Freund gerade jetzt guttun. Wo soll ich da anfangen?

Der Advent ist eine Zeit der Vorbereitung. „Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben!“ Johannes der Täufer war ein kantiger Typ. Er nahm sich kein Blatt vor den Mund und hielt seinen Zeitgenossen den Spiegel vor. Und dennoch kamen die Menschen und hörten ihm zu. Manche waren nur neugierig, andere ablehnend. Viele spürten aber schon vorher, so kann es nicht weitergehen. „Die Axt ist schon den Bäumen an die Wurzel gelegt.“ Vielleicht hätten sie es nicht so drastisch gesagt, aber ein einfach „Weiter-so-wie-bisher“ war kein guter Weg.

Mich beeindruckt die Reaktion der Menschen. Sie fragen fast so ähnlich wie wir bei unseren Vorbereitungen für Weihnachten: Wo sollen wir anfangen? Oder noch grundsätzlicher: „Was sollen wir nun tun?“ Auch wir wissen oft, so wie bisher kann es nicht weitergehen, z.B.: Unsere Zeit ist so ausgefüllt, dass unsere Beziehungen zu kurz kommen. Menschenverachtende Hetze wird immer salonfähiger. Die negativen Folgen der Klimaveränderungen werden für alle spürbarer.

Es gäbe noch viele andere Beispiele. Die Adventszeit ist von alters her eine Zeit der Besinnung und der Buße. Es ist eine Zeit des Innehaltens und Fragens: Was sollen wir tun? Vielleicht sollten auch wir uns die Kritik des Johannes gefallen lassen und fragen: Was sollen wir tun?  Einfache Lösungen gibt es für all die Fragen nicht.

Aber wir sollten ehrlich fragen, was können „Wir“ tun? Und nicht, was sollen die anderen bitte endlich und vor allem zuerst machen. Denn es geht um mich, um meine Vorbereitung und vielleicht auch Umkehr. Johannes gibt ganz unterschiedliche Antworten. Immer geht es aber um mehr Gerechtigkeit. Es geht ums Teilen, dass ich von meinem Überfluss abgebe an die, die weniger haben, dass ich zufrieden bin mit dem, was ich habe und nicht gierig nach mehr. Es geht darum, niemandem Unrecht zu tun und vor allem auf Gewalt zu verzichten. 

Ich bin zuversichtlich, dass auch wir eine Antwort erhalten, wenn wir ernsthaft fragen: Was sollen wir nun tun? Vielleicht sind es nur erste noch ganz unbeholfene Schritte, aber immerhin. Damit bereiten wir Gottes Liebe den Weg in diese Welt. Sein Heil, seine Liebe soll bei uns, bei allen Menschen und bei seiner ganzen Schöpfung ankommen.  

                Oberkirchenrätin Gisela Bornowski

                Regionalbischöfin im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg