Zeichen der Hoffnung in Genf vereint

Marianne Ejdersten
Marianne Ejdersten zeigt die hauseigene Kirche. Foto: Borée

Besuch beim Ökumenischen Rat der Kirchen zeigt vielfältiges Handeln unter Gottes Geist

23 Menschen gehören ihrem Team an: aus Lettland genauso wie aus afrikanischen Staaten. Marianne Ejdersten, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Ökumenischen Rates der Kirchen selbst stammt aus Schweden. Unterwegs auf den langen ­Fluren der Genfer Zentrale immer wieder Grüße in alle Richtungen: „Meine frühere Stellvertreterin, Portugiesin, katholisch.“

Rund 350 Kirchen aus aller Welt gehören dem Kirchenrat an: Die allermeisten protestantischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen, auch die Altkatholiken. Sie repräsentieren insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Christen und Christinnen. Damit sind sie einer der größten ökumenischen Organisationen.

Aber gerade die römisch-katholische Kirche macht nicht mit. Ein fragender Blick: Ja, auch das sei Vielfalt. Marianne Ejdersten nickt nachdrücklich. Um die Herkunftskirche der Mitstreiter geht es weniger als um effektive Handlungsstrategien, hinter denen sie stehen. Sie gestalten zusammen die Öffentlichkeitsarbeit des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK): Sie bringen mehrere Publikationen heraus. 300 theologische Dokumente hätten sie bereits veröffentlicht. Sie versenden Newsletter, beantworten vielfältige Anfragen und gestalten gerade die viersprachige Webseite neu.

Auf den Fluren selbst ist nur Englisch zu hören. Der Sitz ist zwar im französischsprachigen Genf, nun gut, im Vorort Grand-Saconnex, aber wir sind mitten im Diplomatenviertel. Wenige Minuten sind es bis zum Palast der Vereinten Nationen oder zur Zentrale des Roten Kreuzes. Noch näher liegt die Weltgesundheitsorganisation. Die Gänge und die Caféteria im Gebäude des Ökumenischen Rates der Kirchen tragen noch den Charme der 1960er Jahre. Aber dort treffen die Engagierten des Ökumenischen Zentrums auf Vertreter des Lutherischen Weltbundes oder von Menschenrechtsorganisatonen.

Vernetztes Tun

So fühlt sich Vernetzung an. „Wir wissen, was zu tun ist, aber nicht immer, auf welche Weise es geschehen soll“, davon ist Marianne Ejdersten überzeugt. Verschiedene Wege führen immer zum Ziel. Dies gerade, wenn Menschen so vieler Kulturen und Konfessionen an einem Strang ziehen. Offenheit ist Arbeitsvoraussetzung. Und die Bereitschaft, aus Fehlern bei der Umsetzung von Strategien zu lernen.

Gemeinsam unterwegs: Dies gilt für die gesamte Arbeit. Die 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen im südkoreanischen Busan rief 2013 die Kirchen dazu auf, sich auf einen „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens zu begeben“. Dies dient als Wegweiser für die Arbeit des Bündnisses.

Teammitglieder Marianne Ejderstens sind gerade in Japan und in Istanbul unterwegs. In New York gibt es ein Verbindungsbüro. Der Ökumenische Rat der Kirchen ist auch in Jerusalem präsent. Er unterhält in Afrika fünf Regionalbüros HIV- und Aids-Initiative.

Letztens erst hätte eine Pfingstkirche per E-Mail einen Aufnahmeantrag gestellt und wollte dann quasi übermorgen dabei sein. Das geht so nicht. Solche Gesuche werden beim Generalsekretär eingereicht und vom ÖRK-Zentralausschuss geprüft, ob sie den Grundlagen der Vereinigung entsprechen.

Die moderne ökumenische Bewegung entstand Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Ende der 1920er Jahre gab es bereits mehrere Bewegungen, die sich nach dem Vorbild des Völkerbundes weltweit um die Förderung der kirchlichen Einheit bemühten. Im August 1948 gründeten damals 147 meist protestantische Kirchen den Weltkirchenrat in Amsterdam.

2012 beliefen sich die Einnahmen des ÖRK auf 30 Millionen Schweizer Franken. Das entspricht ungefährt 27,5 Millionen Euro. Die Mitgliedskirchen trugen knapp drei Viertel dazu bei. Der Rest stammt vor allem aus Mieteinnahmen von Räumlichkeiten im ökumenischen Zentrum und einem Wohnhaus sowie aus dem Betrieb des Gästehauses und Konferenzzentrums. Dies Geld wird dringend benötigt.

Auch heute mischt sich der Ökumenische Rat der Kirchen auf vielen diplomatischen Wegen ein: Während des Klimagipfels der Vereinten Nationen in New York Ende September unterstützte ÖRK-Generalsekretär Pfarrer Olav Fykse Tveit, die Jugendlichen in ihrer tiefen Sorge um die Bewahrung der Schöpfung. Der ÖRK forderte ein fundamentales wirtschaftliches Umdenken.

Kurz zuvor versammelten sich auf Initiative des ÖRK Beamte und religiöse Führer der Vereinten Nationen in New York City, um zu beraten, wie Angriffe gegen Gläubige verhindert werden können. Den Jom-Kippur-Anschlag in Halle verurteilte der ÖRK sofort. Gegen Menschenrechtsverletzungen gerade an Minderheiten wendet er sich oft in deutlichen Worten. Zur Situation im Südsudan engagieren sie sich genauso intensiv wie zur Überwindung der Krise im geteilten Korea. Dabei arbeiten sie eng mit Park Geun-hye, bis 2017 südkoreanische Präsidentin, eng zusammen, erklärt Marianne Ejdersten.

Das ist nicht alles: Voller Stolz zeigt sie in der Kirche am Hauptsitz in Genf viele Geschenke von Mitgliedern aus aller Welt: Für die Orgel etwa wurden noch vor 1989 die Pfeifen einzeln aus der DDR geschmuggelt. Vor der Caféteria steht eine ganzes Stück der Berliner Mauer „als Symbol der Hoffnung“. Auch Karlsruhe haben Marianne Ejdersten und ihr Team fest im Blick: Dort wird die nächste Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen 2021 stattfinden. Da werden sie ihren Weg weitergehen.

                   Susanne Borée