Bunker
In Bonifacio führt vom höchsten Punkt der Stadt, dem alten Meeresfriedhof eine Bunkeranlage steil hinab in den Felsen.

Kurze deutsche Besetzung

Korsika war also nach der Übernahme Restfrankreichs von den Italienern besetzt worden. Doch dann änderte sich die innenpolitische Lage in Italien. Nach den militärischen Rückschlägen im Mittelmeerraum 1942 und 1943 hatte sich die Stimmung des kriegsmüden italienischen Volkes, dessen Städte nunmehr ebenfalls alliierten Luftangriffen ausgesetzt waren, in zunehmendem Maße gegen Mussolini gewendet. Im Juli 1943 wurde er von oppositionellen Faschisten und Monarchisten gestürzt, die das Bündnis mit Deutschland lösen und einer antifaschistischen Massenbewegung zuvorkommen wollten. Da­raufhin besetzten deutsche Truppen kurzfristig Korsika.

Nach der Kapitulation Italiens erteilte Hitler am 12. September 1943 den Befehl zur Räumung der Insel. Die aus Sardinien übergesetzte 90. Panzergrenadierdivision und die auf Korsika stationierte SS-Brigade „Reichsführer“ zogen sich auf den Hafen Bastia zurück.

Der Maquis, die französische Widerstandbewegung, unternahm Angriffe auf deutsche Verbände und forderte dafür Unterstützung an. Aber die Amerikaner und Engländer, die mit ihrer Landung im Golf von Salerno auf Sizilien vollauf beschäftigt waren, erklärten sich außerstande zu helfen. Lediglich sporadische Luftunterstützung erfolgte.

Am 13. September um 1 Uhr morgens setzte das U-Boot Casa-­blanca am Quai der bereits befreiten Stadt Ajaccio hundert Mann des Stoßbataillons an Land. Es war dies die Vorhut eines kleinen Expeditionskorps von 15.000 Mann, das in den folgenden Tagen durch französische Kriegsschiffe herangeführt wurde. Dort ist heute ein kleines Denkmal zu sehen.

Der Landung war eine starke Untergrundaktivität vorausgegangen. Die Reisegruppe aus Bayern wird im Gebirgsstädtchen Corte – die heimliche Hauptstadt Korsikas – auf eine Gedenktafel hingewiesen, die an  einem Haus an den Funkverkehr der Résistance  ab Dezember 1942 mit den Alliierten in Nordafrika erinnert. Ebenfalls in Corte würdigt eine Gedenktafel den Einsatz des im Mai in Algier aufgestellten 1. Stoßbatallions, dass eben teilweise mit jenem erwähnten U-Boot angelandet worden war.

Die Deutschen mussten sich anschließend in der Umgebung von Bastia schlagen, um ihre Einschiffung zu decken. Am 4. Oktober zogen marokkanische Soldaten in die Stadt ein, die vier Stunden zuvor der letzte Angehörige der Wehrmacht verlassen hatte. Im Wehrmachtsbericht gab Hitler seine „höchste An­erkennung“ für die vorzügliche Abwicklung des Unternehmens zum Ausdruck. Die See- und Luftstreitkräfte der Alliierten hatten 50.000 Mann mitsamt ihrem Gerät ungeschoren über das Meer entkommen lassen.

Die deutschen Truppen verloren auf Korsika insgesamt ungefähr 1.400 Soldaten, von denen 1.000 gefallen sind und 400 gefangen genommen wurden; die Italiener zählten 673 Tote und 557 Verwundete; auf französischer Seite beklagte der Widerstand 170 Gefallene und ungefähr 300 Verwundete; die reguläre Armee zählte 75 Tote und 239 Verwundete. Die Materialschäden an den Kampfschauplätzen sind beträchtlich: Zahlreiche Brücken wurden gesprengt und Häuser zerstört. Zwischen dem 13. September und dem 4. Oktober wurde Bastia und deren Zivilbevölkerung Ziel von fünf Bombenangriffen und heftigem Artilleriebeschuss.

Korsika nimmt somit in der Geschichte des Widerstandes und der Befreiung Frankreichs einen wichtigen Platz ein: Korsika ist das erste französische Departement das befreit wurde; noch lange vor der Normandie. Nur durch seine Bewohner und durch französische Soldaten, ohne Mithilfe  der angloamerikanischen Streitkräfte. 

                    Martin Bek-Baier

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband Bayern, Maillingerstr. 24, 80636 München Telefon 089/188077.
Spendenkonto: IBAN
DE 84 7002 0270 6840 0977 71
BIC: HYVEDEMMXXX
Hypovereinsbank München