Insel des Widerstands

Zerstörte Brücke
Die Ponte Nuovo wurde Schauplatz von Korsikas endgültiger Niederlage gegen Frankreich. Die Brücke wurde von deutschen Bombern im Zweiten Weltkrieg zerstört. Fotos: Bek-Baier

Auf den Spuren des Krieges mit dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge auf Korsika

Korsika ist während des Zweiten Weltkrieges im Zeitraum vom 9. September bis 4. Oktober 1943 zum Schauplatz heftiger und verlustreicher Kämpfe geworden. Die Mittelmeerinsel nimmt in der Geschichte des Widerstands und der Befreiung in Frankreich einen wichtigen Platz ein. Korsika ist das erste Gebiet, das erste Departement, das von seinen Einwohnern und von französischen Truppen ohne direkte Unterstützung angloamerikanischer Streitkräfte befreit wurde.

"Jetzt warns mir wieda gwen“, sagt Kollege Elmar aus Niederbayern. Er blickt dabei auf die von Deutschen zerstörte alte Brücke, die malerisch in einem grünen Tal Korsikas steht und mitten im Fluss endet. Das „Wir sollen es wieder gewesen sein!“ meint Elmar eher ironisch und sogar mit verstecktem Bedauern. Denn es ist unstrittig, dass die schöne mittelalterliche Brücke Ponte Nuovo, die einst die Genueser hier errichteten, von deutschen Bombern im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Die Brücke hat historische Bedeutung. Hier verloren die Korsen ihren verzweifelten Kampf um die Unabhängigkeit gegen die Franzosen 1769. Seitdem gehört die bergige Mittelmeerinsel zur Grande Nation.

Auf dem Durchmarsch

Ein Grund warum auch hier während des Zweiten Weltkrieges gekämpft wurde, war die kurzfristige Anwesenheit deutscher Verbände im Jahr 1943. Große Schlachten fanden dabei hier zwar nicht statt. Dennoch fielen auf Korsika gut eintausend deutsche Soldaten. Eigentlich waren die Deutschen an der Insel gar nicht interessiert. Doch der Krieg verlief anders. Und schließlich ist jeder Kriegstoter einer zuviel.

Der Landesverband Bayern des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. veranstaltete in seinem hundertsten Jahr seines Bestehens eine Pressereise auf die Mittelmeerinsel. Man besuchte Schlachtfelder, Bunkeranlagen und vor allem Gedenk- und Kriegsgräberstätten. Zusammen mit französischen Behördenvertretern und Veteranen gedachte die Delegation um Geschäftsführer  Jörg Raab den Gefallenen der beiden Weltkriege aller Nationen, die auf Korsika ihr Leben ließen.

Korsika war in seiner gesamten Geschichte immer wieder Schauplatz von Überfällen, Fremdherrschaft durch Besatzungsmächte  und Kämpfen geworden, die verlustreich waren, aber irgendwie nie weltgeschichtlich bedeutend. In der Antike gaben sich Etrusker, Griechen und Römer die Klinke in die Hand.  Im Mittelalter überfielen Sarazenen, Piraten und die Soldaten der Stadtstaaten Pisa und Genua die Insel. Die Genueser blieben am längsten und drückten Korsika ihren kulturellen Stempel auf. Vor allem trutzige Burgen, in die Höhen des Gebirges gebaute Orte und immer wieder architektonisch gekonnte Brücken hinterließen sie. So wie auch die Ponte Nuovo, die die Deutschen zerbombten.

Aber wie kam es dazu? Nachdem Deutschland Frankreich besiegt hatte, schloss der südliche Teil, die sogenannte Vichy-Regierung, 1940 einen Waffenstillstand mit dem Deutschen Reich. Doch als 1942 die Briten und Amerikaner Afrika nach und nach von den deutschen und italienischen Truppen zurückeroberten, wurde Hitler unruhig. Er entschloss sich, wieder einmal auf die militärische Karte zu setzen, das Waffenstillstands­abkommen von 1940 beiseitezuschieben und in Südfrankreich einzumarschieren. Am 11. November 1942 besetzten deutsche Truppen das Gebiet westlich, die Italiener die Departements östlich der Rhone und eben auch die Insel Korsika.

Maginot-Linie

Dabei sollte Korsika eigentlich vor fremden Truppen wirksam geschützt sein. Zwischen 1930 und 1940 entstand zwischen dem Mittelmeer und der belgischen Grenze eine gigantische Festungsanlage, die Maginot-Linie. Darin sollten 36 Divisionen Frankreich vor deutschen Angriffen schützen. Bis 1936 arbeiteten zehntausende Arbeiter an dem rund 1000 Kilometer langen Werk, das sich von  Korsika im Süden über die italienische Grenze bis an die belgische Grenze zog.   

Am 14. Mai 1940, vier Tage nach dem Angriff der Wehrmacht im Westen, gelang sieben deutschen Panzerdivisionen der Durchbruch. Während die deutschen Truppen durch Belgien und die Niederlande vorrückten und die alliierten Armeen in die Falle liefen, standen allein 36 französische Divisionen in der Maginot-Linie Gewehr bei Fuß.

Als am 22. Juni die Regierung des neuen Ministerpräsidenten Philippe Pétain den Waffenstillstand unterschrieb, leisteten einzelne Bunkerwerke der Maginot-Linie noch immer einen sinnlos gewordenen Widerstand. Die Bunker auf Korsika hingegen hatten kaum militärischen Nutzen im Zweiten Weltkrieg.

Die Journalistengruppe, die mit dem Volksbund auf Korsika unterwegs war, passierte etliche der Festungswerke bei der Fahrt in den Süden der Insel nach Bonifacio, der malerischen Hafenstadt, gegenüber Sardinien gelegen. Die Gruppe besichtigt einen der Bunker, der in den Felsen tief hinabgeschlagen worden war.

Hunderte von Stufen steigt man in das Innere des Felsens hinab, bis sich eine Kaverne öffnet mit einem malerischen Ausblick aufs Meer, die Südspitze Korsikas und sogar Sardinen am Horizont. Schienen im Boden erinnern daran, dass hier ursprünglich ein großer Scheinwerfer die Meerenge zu Sardinen nachts ausleuchten konnte. 

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