Editorial: Meine Entwicklung im Posaunenchor

Inge Wollschläger
Inge Wollschläger

Erinnern Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, dass ich Ihnen vor einiger Zeit erzählte, dass ich neu in einen Posaunenchor eingetreten war?

Nun ist einige Zeit verstrichen und ich möchte Ihnen erneut berichten. Davon, wie ich in diesem Chor mit offenen Armen aufgenommen wurde. Wie ich mittlerweile „Platzreife“ habe und einige Stücke schon bei „den Großen“ mitspielen kann und darf. Wie ich inmitten von Klang sitze und selbst zu einem Klang werde. Wie unsere Stimmen miteinander verschmelzen und zu einem großen Ganzen werden.

Sie merken schon: ich bin voll bei der Sache. Ich hätte nicht erwartet – so schrieb ich damals – dass es so beglückend ist, in einem Posaunenchor zu spielen. Und dass ich jetzt verstehen kann, warum viele von Ihnen seit so vielen Jahren treue Spielerinnen und Spieler sind.

Ich spiele im Bass. Es ist, wie eine neue Sprache lernen. Noten zu lesen war nicht das Problem. Aber aus dem bekannten Violinschlüssel in den ungewohnten Bassschlüssel zu wechseln erfordert viel Aufmerksamkeit und Übung. Dazu kommt, dass ich mich beim Üben an nichts Bekanntem entlanghangeln kann. Keine Melodie, die man im Kopf mit summen kann: nichts.

Das ist sehr ungewohnt. Ob sich das Üben gelohnt hat, merke ich erst, wenn es bei der Chorprobe schön klingt. Wie wenn ich mit meiner neu erlernten Sprache das erste Mal im Ausland spreche und mich die Menschen verstehen.

Und wir verstehen uns – Gustav zur Rechten und Susanne zur Linken stützen mich und tragen mich musikalisch durch die Stücke. Ich höre sie, sie geben die Richtung vor und ich folge ihnen. „Du klingst viel voller, wenn du mit ihnen spielst“, sagt mein Chorleiter. Und ich bejahe. Er hat recht. Ich werde von beiden durch die Musik wie mit einer Sänfte getragen. Es ist so viel leichter in Begleitung zu spielen, als alleine.

Unterdessen habe ich so von der Musik und den Posaunenchören geschwärmt, dass nun auch eine Freundin mitkommt. „Wir“ als kleiner Chor wachsen.  Angesichts der mittlerweile üblichen schrumpfenden Mitgliederzahlen in Posaunenchören, ist es zumindest hier eine schöne Wende.

„Wir“ als Chor tragen die Liebe zur Musik weiter.  

Inge Wollschläger, Mitglied der Redaktionskonferenz