Tiefere Einblicke durch vergleichende Schau

Veit
Veit Stoß: Heiliger Veit im Ölkessel, um 1520. Foto: GNM / Dirk Messberger

Bis zum 1. September zeigt das Germanische Nationalmuseum gleich fünf Ausstellungen

Nürnberg. Tiefer schauen – dies könnte ein gemeinsames Motto der laufenden Ausstellungen im Nürnberger Germanischen Nationalmuseum sein. Ein wenig versetzt wurden die „Helden, Märtyrer, Heilige – Wege ins Paradies“, die Skizzenbücher Franz Marcs und die Schau „Abenteuer Forschung“ eröffnet. Sie laufen bis zum 1. September parallel. Die „Totenschilder“ sind bereits seit März zu sehen und ein vergleichender Einblick in historische Architekturbücher seit Juli 2018.

Unscheinbar erscheinen zunächst die kleinformatigen Skizzenbücher des Malers Franz Marc. Dennoch sind sie ein besonderer Schatz, da sie seinen künstlerischen Werdegang in einzigartiger Weise verdeutlichen. Bereits 1982 konnte das Germanische Nationalmuseum 26 der 33 Bücher ankaufen, die sich noch im Nachlass Marcs befanden. Sie umfassen ein ganzes Jahrzehnt von 1904 bis 1914 und zeigen so die Entwicklung des Künstlers, die er gerade auf seinen Reisen augenfällig vorantrieb. Seine Bewegungsstudien und Tierzeichnungen gewinnen größere Leichtigkeit.

Ähnliche Entwicklungslinien zeigen Einblicke in Architekturbücher aus der Bibliothek des Nationalmuseums seit der Renaissance.

„Wege ins Paradies“ zeigt mittelalterliche Heiligen- und Andachtsbilder. Sie stellen die späteren Heiligen oft bei brutalen Folterungen oder Hinrichtungsarten dar. Doch blieb ihre Mimik und Gestik traditionell friedlich – ein klarer Hinweis darauf, dass sie schon in die Seligkeit Gottes eingegangen waren. Künstlerisch sind diese Objekte sicher wertvoll zumal von bedeutenden Menschen wie Veit Stoß oder Riemenschneider gefertigt – aber verharmlosen sie nicht die Qualen? Auch da lässt sich heute fragend tiefer gehen. „Gewappnet für die Ewigkeit“ waren jedoch die Träger der  Totenschilde.

Ende Juni ist noch die Sonderausstellung „Abenteuer Forschung“ hinzugekommen. Sie gibt den Museumsbesuchern einige Einblicke in die museale Aufbereitung von Objekten, bevor sie der Öffentlichkeit präsentiert werden können. Gerade bei älteren Objekten muss oft erst geklärt sein, wer sie wann und zu welchem Zweck gefertigt hat. Ein herausragendes Beispiel ist da der  bronzezeitliche Goldhut von Ezelsdorf-Buch, der vor gut drei Jahrtausenden entstand. Er hatte wohl kultische Funktion, aber die Zeichen in ihm dienten auch als Kalender.

Daneben müssen die Forscher aber auch klären, wie die Objekte im Laufe der Zeit umgearbeitet wurden. Röntgenaufnahmen fördern gerade bei Gemälden ältere Fassungen zutage und zeigen, wie sie manchmal deutlich umgearbeitet wurden. Die Dendrochronologie  wiederum gibt durch die Untersuchung der verwendeten Holzteile nicht nur Antworten zur Entstehungszeit, sondern auch zu den Orten.

Angebliche Schweizer Masken erwarb das Museum 1937 als Beispiele alter volkstümlicher Handwerkertraditionen. Doch: Sie entstanden erst im 20. Jahrhundert. Die Hersteller reagierten so wohl auf eine gestiegene Nachfrage. Die Art der Präsentation und vor allem die Ausleuchtung der Objekte verändert die Wahrnehmung durch die Besucher. Auch damit beschäftigt sich die Schau ausdrücklich.

Ausstellung über Franz Marc noch bis 1. September, die Architektur-Schau bis 8. September, „Abenteuer Forschung“ sowie Totenschilde bis 6. Januar 2020 und die „Heiligen und Märtyrer“ bis 4. Oktober 2020. Dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr, Kartäusergasse 1.Die nächsten Führungen: Forschung aus erster Hand: Der kunsttechnologische Objektzugang am Donnerstag, 8. August 2019 um 16 Uhr. Durch die Ausstellung „Franz Marc“ am Sonntag, 11. August um 14 Uhr, Kosten: 3 Euro plus  Eintritt von regulär 8 Euro.

                       Susanne Borée