Wegweisung des „Vertrauens“

Dortmunder U
„Dortmunder U-Zentrum für Kunst und Kreativität“ überstrahlte die Stadt im Zeichen des Kirchentages. Fotos: Borée

Eindrücke vom Kirchentag in Dortmund: Konzentriert, engagiert, voller Perspektiven

"Kirchentag – was ist ein Kirchentag?“ So wunderten sich Passanten auf dem Westenhellweg, der zentralen Fußgängerzone Dortmunds. Kopfschüttelnd betrachteten sie die Pfadfinder mit den selbstgemalten Pappschildern. Ihre Pfeile wiesen den Weg zum Einführungsgottesdienst. Die Jugendlichen gaben gerade einer Gruppe Besucher praktische  Informationen.

Verloren ging wohl niemand so leicht. Schon am Dortmunder Hauptbahnhof wiesen Pfeile den Weg zur allgemeinen Gepäckaufbewahrung. Und von dort aus weiter zu den zentralen Plätzen der Eröffnungsgottesdienste in der Innenstadt. Vergessen war da schon, dass ausgerechnet am Eröffnungstag eine Signalstörung unweit von München den Zugbetrieb durcheinander gewirbelt hatte und die allermeisten Züge Richtung Süden mit deutlicher Verspätung eintrudelten.

Dann erschallten unüberhörbar die Glocken der Innenstadtkirchen. Bei diesem Startschuss merkten spätestens wohl jetzt die Passanten, worum es ging. Selbst das Wetter spielte nun mit: Die heftigen Gewitter, die an diesem Abend die Umgebung Dortmunds heimsuchten, zogen an der Innenstadt vorbei. So überschattete nichts mehr die Gottesdienste und das Fest der Begegnung.

Die Herausforderungen des Wandels standen im besonderen Maße im Mittelpunkt dieses Kirchentags: Klima, die Wege zu einer offenen Gesellschaft und die Digitalisierung erschienen als die großen Themen in Dortmund. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief dazu auf, Zukunft zu gestalten. Dies „können wir in die eigenen Hände nehmen, allerdings nicht jeder für sich, sondern nur miteinander und solidarisch“. In der Dortmunder Westfalenhalle verlangt er ferner nach „Grundregeln für die digitale Moderne, deren Einhaltung wir auch in einer Zeit gewaltiger Umbrüche einfordern.“

„Wir brauchen endlich einmal eine mutige Regierung“, so rief Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von „Brot für die Welt“ und des Evangelischen Entwicklungsdienstes, dem Publikum zu. Dies „un­terstrich“ auch Heinrich Bedford- Strohm neben ihr ausdrücklich. Der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof betonte die Vorrei­terrolle der Kirchen vor Ort und
die „erneuerbare Energie des Glaubens“.

Schließlich biete Kirche einen Blick über das Tagesaktuelle hinaus, darin waren sich alle einig. So nahm das Podium auch fast einstimmig eine Resolution an, dass die EKD einen entsprechenden Einfluss auf die Politik geltend machen sollte. Der Klimawandel beträfe nicht nur uns, sondern sei in weltweiter Perspektive der „Armutstreiber Nummer eins“. Cornelia Füllkrug-Weitzel fügte hinzu: „120 Millionen Menschen werden weltweit verarmen, selbst wenn wir das 1,5-Grad-Ziel halten.“

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