Kirchentag als Lückenbüßer?

Susanne Borée
Susanne Borée

Ein Lückenbüßer sollte er sein – ein Zwischen-Kirchentag zwischen den beiden großen Ereignissen des Berliner Reformations-Kirchentages von 2017 und dem Ökumene-Fest 2021 in Frankfurt. So hieß es immer wieder schon Wochen vor dem Dortmunder Kirchentag.

Ließ sich das jetzt vor Ort bestätigen? Nein, es waren doch mehr Teilnehmende gekommen als erwartet: Und zwar waren vor allem Tagesgäste aus den angrenzenden Städten des Ruhrgebiets und der Region Nordrhein-Westfalen da.
Barack Obama kam nicht, wie einst in Berlin. Dennoch war die Polit-Prominenz in breiter Front vertreten: der amtierende Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, seine drei Vorgänger sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel nebst vielen Ministern. Zu leer erschienen die Veranstaltungen wirklich nicht. Im Gegenteil, vor den Publikumsmagneten bildeten sich durchaus lange Schlangen.

Hatte sich das angebliche Aschenputtel Dortmund in ein geliehenes Ballkleid geworfen? Die Stadt ist bekanntermaßen keine der glänzenden Metropolen Deutschlands – und gerade das macht ihren Charme aus.

Der Kirchentag profitierte von den kurzen Wegen zwischen Messegelände und Innenstadt. Nur wenige U-Bahn-Minuten liegen sie vonei­nander entfernt. Zwar  hätten durchaus mehr Züge fahren dürfen – wie auch in die Quartiere des Umlandes hinein – aber die Fahrten gingen schnell und kurzweilig: Spontan und zwanglos ergaben sich Gespräche mit den Nachbarn.

Die wahren Schätze zeigten sich wie so oft ein wenig abseits der allzu betretenden Pfade: Vom nächsten Platz ertönten Posaunenchöre. Kleinkünstler gaben eine Straße weiter einen bunten Strauß ihres Könnens. Andere Bühnen in der Innenstadt sammelten Besucher und Einheimische zum Gebet. Der Kirchentag wirkte gerade durch die räumliche Nähe konzent­rierter als seine Vorgänger – und gab gleichzeitig  wertvolle Impulse.

Denn er schuf einen weiten Raum für die wesentlichen Fragen unserer Zeit – vom Klima über die Migration bis hin zur Digitalisierung. Hoffen wir, dass es nicht nur bei den vielfältigen Appellen dieses Kirchentages bleibt. Nein, sie sollten Wegweisung bieten bei den drängenden aktuellen Entscheidungen. Und dies gerade auch,  wenn es viel „Vertrauen“ vom Kirchentagsmotto bedarf, ob wir uns den Herausforderungen stellen – gar bei persönlichen Einschränkungen. 

                               Susanne Borée