Spiegel, Schweigen, Rhythmen und Reifen

Simone Hahn
Simone Hahn. Fotos: Borée

In der Nürnberger Innenstadt ergänzen sich spirituelle Spuren: Eine Suche zu Rogate

Gerade betet ein Besucher andächtig zu einer Marienfigur in der Nürnberger St. Jakobskirche – mit den Händen liebkost er sie. Niemand stört sich daran. Dabei ist die Maria durchaus ein traditionelles Kunstwerk – und ein Gegenstand der Andacht.

Nürnberg kirchlich – da fallen in der Innenstadt gerade die stolzen gotischen Kirchtürme von St. Lorenz und St. Sebald ins Auge. Doch nicht nur sie bestimmen das evangelische spirituelle Leben in der Großstadt: St. Jakob bietet Akzente in der Lebens- und Pilgerbegleitung. Und St. Egidien setzt auf neue Kulturformen.

Am Sonntag Rogate aber steht das „Gebet“, das spirituelle Leben noch einmal ganz besonders im Mittelpunkt des kirchlichen Lebens.

Simone Hahn, Pfarrerin an der Nürnberger St. Jakobskirche, sieht ihr Gotteshaus als „Scharnier“: Dort, am Plärrer oder Weißen Turm, steigen Menschen aus der U-Bahn oder Tram und strömen in die Innenstadt. Viele suchen zuvor oder bei ihrer Rückkehr einen Augenblick der Ruhe, beobachtet Hahn. Ein Spiegel in Körpergröße begrüßt jeden: „Du bist willkommen.“ Sprüche an der Glastür nehmen weiter den Kontakt auf, bevor die Eintretenden sich in den Bänken niederlassen können.

Pilger sind genauso willkommen wie die Anglikanische oder die afrikanische Oromo-Gemeinde zu Gottesdiensten. Oder Menschen, die still eine Kerze anzünden wollen. Denn ihre Ortsgemeinde, das seien vor allem Geschäfte. Wer wohnt da noch? Pfarrerin Hahn oder ihre Kolleginnen sind aber da. Es gibt montags bis donnerstags nachmittags eine „Offene Tür“. „Wer sich umschaut, findet sie.“ Das ist genug.
Auch Pfarrer Thomas Zeitler bewegt sich „an den Rändern dessen, was üblich ist.

Im Grenzbereich von Spiritualität und Ästhetik sucht der Profilpfarrer für Kunst und Kultur an St. Egidien, nach neuen Wegen. Da nennt er etwa regelmäßige Angebote zum freien Tanzen zu „Fünf Rhythmen“, zu denen die Teilnehmenden eigene Bewegungen finden können.  „Schwitze dein Gebet“, dieses Motto steht auf Englisch darüber.

Ebenfalls finden Schweige-Gottesdienste in der Quäker-Tradition statt. Nur kurz unterbrochen durch eine Bibellesung, treffen sich die Teilnehmenden zu zwei mal 20 Minuten spirituellem Schweigen. Für die Augen bietet der Bilderzyklus über das Hohelied von Uwe Appold visuelle Nahrung. Was verbindet zwei Menschen, die sich geborgen wissen in der Liebe Gottes?

Am Samstag, den 25. Mai, beginnt in Egidien um 18 Uhr die „Sonntagsbegrüßung“ – Lichtfeier und Abendmahl. Am Rogate-Sonntag selbst findet dort um 10.30 Uhr fast traditionell eine Jubelkonfirmation statt. Doch dies sei nicht nur  für die eingeladenen Jubelkonfirmanden gedacht, sondern für alle, die erneut über Gottes Führung über ihren Weg nachdenken wollen.

Ähnliche Impulse, doch aus einer anderen Sprachwelt bietet Jakob fast zeitgleich um 11 Uhr bei dem „Pop-Up-Gottesdienst“ zum Silbermond-Song „Leichtes Gepäck“. Der Text fragt etwa: Wie geschieht Befreiung vom „Kabinett aus Sinnlosigkeiten“ der gekauften Ballasten – „von denen man denkt, man würde sie irgendwann brauchen“?

Die vier Citykirchen verstehen sich als Ergänzung: Ihre verschiedenen Schwerpunkte vernetzen sie ganz im Sinne des Reformprozesses „Profil und Konzentration“. Ihr gemeinsames Innenstadtpfarramt im „eckstein“ ist werktags regelmäßig von 9–17 Uhr erreichbar. Unter der Telefon 0911/214-2140 gibt es Informationen zu Kasualien oder Veranstaltungen – aber auch Formulare.  

Ferner gibt es gemeinsame Chöre, ergänzt Martin Brons als geschäftsführender Pfarrer der Innenstadtgemeinden. Und natürlich das allgemeine Informations-Magazin aller Gemeinden, der „Citykirche“. Zwischen Sebald und Egidien sei die Zusammenarbeit schon viel weiter gediehen: Sie haben nun einen gemeinsamen Kirchenvorstand. 

Neben den Wahrzeichen: Arbeit in der Stille => weiter