Editorial: Muttertag - ein Tag für Mütter

Susanne Borée
Susanne Borée

Kurz vor dem Schlafengehen hatte der Sohn seine Gutscheinkarte fertig gebastelt: Einen ganzen Tag lang wollte er den Haushalt schmeißen – allerdings nur gültig heute, am Muttertag.

Diese Anekdote einer Freundin lädt nicht nur zum Schmunzeln ein. Sie könnte als Überschrift für den ganzen Muttertag dienen. Warum nur einen Tag lang nett zur Mutter sein? Nach dieser Mühsal tut es gut, am Montag danach wieder zum Alltag überzugehen.

Der Muttertag, traditionell am zweiten Sonntag im Mai gefeiert, ist vor allem ein Festtag für Floristen und Pralinenhersteller. Wirklich? Neben dem Valentinstag ist da seine Bedeutung im Kommen, heißt es. Doch was bleibt neben dem Ritus eines einzigen solchen Tages im Jahr?

Ansonsten soll Erziehung möglichst mühelos gelingen, ohne dass Job und erfüllende Freizeitgestaltung betroffen sind. Waren noch vor kurzem die „Glucken“ das weibliche Maß aller Dinge, scheint das Pendel umzuschlagen. Wie bringt ein Tag all dies unter einen Hut? Kürzlich erst las ich „Bekenntnisse“ kinderloser Frauen, die erklärten, warum sie keine Kinder gewollt hatten.

Natürlich kann sich da jede ­entscheiden. Natürlich sind viele
in ihrer Entscheidung für oder gegen Mutterschaft alles andere als frei: „Es“ klappt einfach nicht. Oder zu der richtigen Zeit fehlt der richtige Partner. Dann wieder geschieht eine Schwangerschaft schneller als es in die Lebensplanung passt. Oder die Beziehung hält den Belastungen nicht stand.

Wichtig scheint mir aber, einen kinderlosen Lebensentwurf nicht gegen eine Vita mit Kindern auszuspielen – oder umgekehrt. Beides hat Vor- und seine Nachteile. Es gilt eher, diese einmal getroffene Entscheidung oder den Zufall mit Leben zu erfüllen. Es zeigt, dass sich unser Leben nicht durchplanen lässt, sondern es immer noch Unverfügbares und Unwägbares gibt. Und – welch verwegener Gedanke – vielleicht ist gerade ein Weg, der uns zu steinig erscheint, für uns gewollt? Vielleicht sollen wir gerade daran reifen?

Nicht jedoch an einer solchen Kita-Veranstaltung, die mir gut im Gedächtnis geblieben ist. Am Freitagvormittag vor dem Muttertag sollten alle Mütter erscheinen, damit ihre Kinder ihnen ein Ständchen bringen konnten. Welch ein Stress auch bei diesem Termin! Inhalte waren Nebensache! Einen sonnigen und entspannten Muttertag jedoch wünscht Ihnen Ihre

                               Susanne Borée