Rechtes Tun und rechte Lehre

Pfarrer György Gregersen-Labossa
Pfarrer György Gregersen-Labossa vor einem Denkmal, dass daran erinnert, wie Martin seine Mutter getauft haben soll. Fotos: Borée

Unterwegs im ungarischen Szombathely, in dem Martin vor 1.700 Jahren geboren wurde

Er hat mehr zu bieten als nur seinen Mantel oder das Laternenfest. Auf den Spuren Martins an seinem Geburtsort Szombathely blitzt diese Erkenntnis überall auf. Dort in Westungarn kommt niemand an dem späteren Heiligen vorbei.

Szombathely, das antike Savaria, ging aus einem römischen Kastell hervor. Martins Vater sicherte als römischer Offizier die Garnisonsstadt. Dort führte die Bernsteinstraße von der Ostsee Richtung Adria vorbei.  Im Jahr 316 soll er das Licht der Welt erblickt haben. Als ersten Heiligen verehrte man ihn, ohne, dass er das Märtyrium erlitten hatte. Martin ist ein Mann des Übergangs.

Obwohl nicht gänzlich unumstritten als Geburtsort Martins, präsentiert sich die Stadt ganz im Zeichen ihrer spätrömischen Kultur und ihres berühmtesten Sohnes. Dort befand sich auch ein "Iseum", in dem gerade die römischen Militärangehörigen die ursprünglich ägyptische Göttin Isis verehrten. In dem Kult verschmolzen mystische Traditionen.

Kurz vor Martins Geburt, war Bischof Quirin noch 303 als einer der letzten Märtyrer mit einem Mühlstein um den Hals ertränkt worden. Martins Eltern könnten als Schaulustige  dies Spektakel besucht haben. Doch dann geschah die große Wende. Kaiser Konstantin tolerierte ab 313 das Christentum in seinem Reich. Bald entwickelte es sich zur Staatsreligion. Was könnte Bestand haben, nachdem das Blutzeugnis für den Glauben nicht mehr erforderlich war?

Vor Ort folgt die evangelisch-lutherische Gemeinde in Szombathley dem Vorbild Martins nach. Zwischen liturgischer Erneuerung und diakonischem Engagement ist Pfarrer György Gregersen-Labossa nach dem Vorbild Martins die diakonische Tätigkeit wichtig. Neben seiner Tätigkeit als Gemeindepfarrer leitet er diakonische Institutionen mit 230 Mitarbeitern. Die Betreuung von Senioren und Kindern ist ein großes Thema vor Ort. Nur Arbeitslosigkeit sei in der Stadt mit knapp 80.000 Einwohnern kein Problem. Schließlich liegt sie nur ein Dutzend Kilometer von der österreichischen Grenze und gut hundert Kilometer vom Großraum Wien entfernt.

Pfarrer György Gregersen-Labossa spricht fließend Deutsch. Er  bleibt aber vor Ort und kümmert sich um internationale Kontakte der kleinen Kirche. Nur drei Prozent der knapp zehn Millionen Ungarn gehören ihr an. Löhe-Kenner György Labossa vertritt die evangelische Kirche Ungarns gegenüber der bayerischen Partnerkirche und der Diakonie in Bayern. Der Pfarrer reiste in diesem Jahr zu Christi Himmelfahrt nach Erlangen, um dort ein Martins-Denkmal mit einzuweihen. Daraus ergab sich der Kontakt zum Sonntagsblatt aus Bayern.

Zurück zu Martin: Vor knapp 1.700 Jahren zog es Martins Vater bald aus Szombathely weg. Er wurde im Zuge seiner militärischen Karriere nach Pavia versetzt, wo Martin aufwuchs. Er selbst diente in Gallien.

War Martin ohnehin nur auf Druck seines Vaters in die Armee eingetreten? So legt es Martins Chronist Sulpicius Severus (geb. um 363­ bis nach 420) nahe. Als es zum Krieg kam, wollte der spätere Heilige nicht kämpfen. Lieber wollte er sich im Kampf ohne Waffen an vorderste Front stellen lassen. Ein Wunder: Rechtzeitig boten die Germanen Frieden an. Dagegen lässt Sulpicius Martin bis zum regulären Ende seines Militärdienstes mit 40 Jahren in der kaiserlichen Elitegarde Dienst tun. Jedenfalls vertritt Martin eine Zeit, in der es schon mehr oder minder möglich war, selbst als römischer Offizier den christlichen Glauben zu leben. Offenbar aber erschien sein Beruf für die spätere Karriere als Heiliger bald schon als peinlich. Er selbst hat keine Schriften über sich hinterlassen. Ohne Sulpicius Severus wüssten wir wohl nur  wenig über diesen zweifelsohne charismatischen Martin. Nicht jede Überlieferung scheint da belastbar.

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