Muss Schwäche Schulden bringen?

Armut in Georgien

Alltag in Georgien: Einsatz für Menschen, die unter Armut und Ungerechtigkeit leiden

Mit einer monatlichen Rente von etwa 60 bis 70 Euro eine Operation bezahlen, die gerne mal 500 Euro oder mehr kostet? Für Rentner in Georgien ist das keine Ausnahme, wie Christiane Hummel bestätigt. Sie engagiert sich im "Evangelisch-Lutherischen Diakonischen Werk in Georgien". Was kann da etwa die Evangelische Kirche tun?

Ihr Mann, Gert Hummel aus Sindelfingen bei Stuttgart, baute diese Kirche in Georgien wesentlich wieder auf. Bis zu seinem Tod 2004 stand er ihr als Bischof vor. Danach fühlte Christiane Hummel sich "zur Fortsetzung der Einrichtung verpflichtet".

Die Krankenhäuser sind weitgehend privatisiert. "Die staatliche so genannte Versicherung", so Hummel, sei für alle ihre Leistungen sehr knapp berechnet. Bei einer ernsten Erkrankung legen "die Familien zusammen, Schulden werden gemacht und die Diakonie steuert ebenfalls bei. Vor allem bei den Folgebehandlungen mit teuren Medikamenten ist die Diakonie gefragt".

Natürlich sind viele Lebenshaltungskosten in Georgien niedriger als in Deutschland. Die Rente reicht aber selbst auf dem Land nur bei weitgehender Selbstversorgung, zusätzlicher Arbeit oder Unterstützung durch die Familie zum Leben. In Tiflis kann eine durchschnittliche Wohnung schon mal umgerechnet 300 Euro kosten. Es gibt nur private, meist unerschwingliche Altenheime. Die Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei 15 Prozent. Schätzungen gehen bis zu 40 Prozent.

Unsere "Hilfe kommt zuerst den Mitgliedern der Kirche zugute, Ausnahmen, begründet und dokumentiert, bestätigen die Regel", so Christiane Hummel. Direkt neben der 1997 eingeweihten evangelisch-lutherischen Versöhnungskirche erhalten rund 75 Menschen an sechs Tagen in der Woche kostenlos eine warme Mahlzeit. Dazu gibt es im Haus acht Plätze eines Altenheims.

Weitere 180 Personen bekommen jeden Monat Lebensmittelpakete. In der Diakoniestation haben zudem 18 Menschen eine Arbeit gefunden. "Fast täglich sind ferner persönliche Notlagen, von denen insbesondere Rentner, Kranke und Arbeitslose betroffen sind, zu lindern oder zu beheben", erklärt Christiane Hummel. Dazu gehören neben Operationen, teure Medikamente oder auch Gas- und Stromabschaltungen wegen Zahlungsunfähigkeit. "Hilfe wird auch zu den in Georgien teuren Beerdigungen gegeben."

"Undichte Dächer, verrottete Sanitäranlagen, Unwetterschäden überstiegen in Georgien die Möglichkeiten vieler Menschen", erläutert Hummel weiter. Wichtig sei hier ein "Kostenvoranschlag, womit die Georgier noch Schwierigkeiten haben". Er ist offenbar noch ungewohnt, schützt auch dort vor späteren Überraschungen. Bei Zuschüssen zur Ausbildung oder Studium erwartet die Gemeinde eine Rückzahlung.

Die Schwierigkeiten können sich noch vervielfältigen ... => weiter

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