Kirche im Wind des Aufbruchs

Christos Papanikolaou
Christos Papanikolaou. Foto: Borée

Griechisch-orthodoxe Kirche in Albanien entstand nach der Diktatur ab 1991 völlig neu

Liebevoll lässt Christos Papanikolaou den Blick über die Wände wandern. Wohin soll man zuerst schauen? Jeder Winkel der Geburtskapelle direkt neben der "Kathedrale der Auferstehung Christi" in der albanischen Hauptstadt Tirana ist bedeckt mit Ikonen des Künstlers - oder soll es noch werden. In der rechten hinteren Ecke der Kapelle lehnt ein klappriges Gerüst an der Wand. Ein Gewirr von Kabeln und Leitungen führt zu einigen hellen Lampen, daneben die Pinsel und Farben. Hier entstehen gerade neue Kunstwerke.

Kann man die Wandgemälde noch "Ikonen" nennen? Zu sehr sprengen sie den traditionellen Rahmen, den jeder sonst mit orthodoxen Heiligenbildern verbindet. Nun erklärt der Künstler sein Werk einer deutschen Gruppe. Die Informations- und Begegnungsreise organisierte das Reiseunternehmen "Tour mit Schanz". Sie führt zu einer "Kirche im Aufbruch". Bis zum Ende der kommunistischen Diktatur 1991 konnten die Religionen nur unter größten Schwierigkeiten weiter existieren.
Die Religionsgemeinschaften sollten nach dem Willen des Diktators am liebsten aussterben.

Der Künstler spielt mit den Möglichkeiten des Bauwerkes als begehbares Kirchengemälde. Warme, rötliche Töne dominieren es. Schade: Nicht ein einziges, nicht ein winziges Fotos darf von dem Werk Papanikolaou geknippst werden. Nicht, so lange die Bilder auf ihre Vollendung warten. Und der Künstler sieht wohl mit Besorgnis einer öffentlichen Diskussion seines Werkes entgegen. Er ist sich dessen bewusst, dass er die üblichen Sehgewohnheiten und über Jahrhunderte festgeschriebenen Traditionen der orthodoxen Ikonen weiter entwickelt und damit sprengt.

Christos Papanikolaou weist in "seiner Kapelle" auf die Szenen rund um das Portal. Gläubige aus vielen Jahrhunderten strömen herbei. Die zerstörten Brücken sind wieder aufgerichtet, so dass sie herbeikommen können. Kein Gottesdienst durfte bis 1991 gehalten werden. Agenten suchten in der Osterzeit die Müllhalden ab, ob sie rot gefärbte Eierschalen fänden. Ein sicherer Hinweis, dass es noch Gläubige in der Umgebung gab. Schulkinder wurden ausgehorcht, ob ihre Familien zum Ramadan oder in der Passionszeit fasteten. 

Erst danach begann das Weiterleben der Religionsgemeinschaften, so auch der griechisch-orthodoxen Kirche von Albanien - ein modernes Pfingsterlebnis. Nach einer Volkszählung von 2011 gib es knapp 60 Prozent Muslime in Albanien und 17 Prozent Christen. Darunter meist Orthodoxe im Süden und Katholiken im Norden. Evangelische spielen keine Rolle. Der Rest der Bevölkerung bezeichnete sich als atheistisch oder ohne Religionszugehörigkeit.

Und der Aufbruch? => weiter

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